Fracking als Chance: So funktioniert Fracking

 


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Neuer Bereich


Einer dieser neuen Spielräume ist es, das Auto als eine Art Rüstung zu verstehen". So erhalten die durstigen Karossen auch noch gute Noten bei der Umweltverträglichkeit.

Der urbane Lifestyle forderte 4-Rad-Getriebenes, dabei berühren die meisten dieser Schüsseln nie eine Schlammpfütze, weder Fahrwerk noch Reifen sind dafür ausgelegt: Die er Walzen stehen auf Hochgeschwindigkeit auf der Autobahn.

Nicht nur den passionierte SUV-Fahrer ficht das alles nicht an. Es gibt kein schlechtes Gewissen mehr". Hoher Spritverbrauch und die damit verbundene Umweltverschmutzung spielen in den Überlegungen vieler Käufer kaum noch eine Rolle.

Was der Kunde nicht fordert, will der Hersteller nicht bauen. Tatsächlich sind die beiden Dreiliterautos von VW aus dem Programm verschwunden, Solarmobile und Alternativantriebe fristen ein Nischendasein.

Sie konnten als Kleinlaster angemeldet werden und ihre Fahrer genossen bis April geringe Steuerabgaben. So musste der Besitzer eines Volkswagen Touareg 5. Damit aber nicht genug. Auch der nun vorgestelle Audi Q7 wird seine agilen PS nicht im Gelände, sondern vor allem auf der Autobahn ausspielen. Jörg Auf dem Hövel. Auch strenge Vorgaben für chemische Düngemittel sind gescheitert.

Die stickstoffhaltigen Kügelchen oder Flüssigkeiten treiben Pflanzen in der häufig ausgelaugten Erde zum Wachsen an, sie werden mit viel Energie hergestellt und häufig weit transportiert. Biobauern hingegen reichern ihren Boden mit Kompost oder stickstoffhaltigen Pflanzen wie Bohnen und Klee an. Prompte Sanktionen drohen keine. Auch der Biolandbau kommt nicht voran: Nur rund sieben Prozent der deutschen Flächen werden ökologisch bewirtschaftet — weit entfernt von dem Ziel der Bundesregierung von zwanzig Prozent Öko-Flächen.

So sind sich die Klima-Experten einig: Holzenkamp vereint einige landwirtschaftliche Schlüsselpositionen auf sich: Ein Freund von biologischer Landwirtschaft ist der Jährige nicht: Im Parlament hat er sich beispielsweise dafür stark gemacht, das stark umstrittene und vermutlich krebsfördernde Pflanzengift Glyphosat weiter zu erlauben. Die Kollegen folgten ihm. Der Landwirt aus dem Münsterland ist laut der Transparenzplattform Abgeordnetenwatch einer der bestverdienendsten Abgeordneten im Bundestag: Röring ist im Verbandsrat des Deutschen Bauernverbandes, mit Mitgliedern die wichtigste Interessengruppe von Landwirten.

Die Jährige kommt aus einer niedersächsischen Bauernfamilie. Nach Vorwürfen, Puten würden in geschäftlich verbundenen Mastanlagen gequält und Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen beschäftigt, trat sie von ihrem Ministeramt zurück. Im Bundestag kämpft sie weiter für konventionelle Land- und Viehwirtschaft. Gute Jahre für die Autolobby — schlechte Jahre für das Klima: Diese Pendlerstrecke steht in keinem Fahrplan.

Von Stuttgart führt sie ohne Halt ins politische Berlin. Manchmal beginnt sie auch in München oder im hessischen Rüsselsheim. Joachim Koschnicke kennt die Strecke gut. Er hat die Verbindung mehrfach genutzt, hin und zurück. Wir schreiben den Wahlkampfauftakt in der CDU-Parteizentrale. Jetzt braucht er keinen Termin mehr für das Konrad-Adenauer-Haus — er arbeitet dort als Chefstratege für den Wahlkampf.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis rund 40 Prozent der deutschen Emissionen im Vergleich zu einzusparen. Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Gebäude hätte passieren müssen.

In keiner Branche ist die Bilanz so schlecht wie beim Verkehr. In allen anderen Sektoren sind die Klimagas-Emissionen in dieser Zeit gesunken oder gleich geblieben.

In dieser Zeit zählte der Verein Lobbycontrol weit mehr als Treffen von hohen Regierungsvertretern mit der Autolobby. Für die Autolobby waren es vier gute Jahre. Von bis verlängerte sich die Strecke, die alle Autos in Deutschland zurücklegten, von auf Milliarden Kilometer pro Jahr. Der Trend bei den Neuzulassungen zeigt, dass immer weniger Kleinwagen gekauft werden — stattdessen werden spritfressende Geländewagen immer beliebter: Ihr Anteil stieg in dieser Zeit von acht auf zwölf Prozent.

Fast alle werden fossil angetrieben: Elektroautos gab es erst Wäre es nach Verkehrsminister Dobrindt gegangen, hätte es die Prämie allerdings gar nicht gegeben.

Staatliche Förderungen für Klimaschutz lehnt er ab. Sich mit der Autolobby anzulegen ebenfalls. Das zeigte sich im April Dann kommt sie doch — aber entpuppt sich schnell als Flop: In gut sechs Monaten nach Einführung gehen nur 9.

Während es in Deutschland nur maximal 4. Sechs Monate später sind die Autobauer wieder in Alarmbereitschaft: China kündigt eine verbindliche Elektroauto-Quoten von acht Prozent ab dem Jahr an. Die Konzernchefs greifen zum roten Telefon. Besonders erfolgreich ist Hubertus Troska vom Daimler-Vorstand.

Er darf Gabriel auf seiner nächsten Chinareise begleiten. Gabriel ringt der chinesischen Regierung das Versprechen ab, die deutschen Hersteller mit Samthandschuhen anzufassen — was China wenige Wochen später jedoch wieder relativiert. Umweltministerin Hendricks kann nur ohnmächtig zuschauen, wie Merkel, Dobrindt und Gabriel über ihren Kopf hinweg die Verkehrswende ausbremsen.

Doch ihre Rufe bleiben ungehört. Dabei könnten mehr Elektroautos dem Klima richtig viel bringen: Würde man alle Pkws durch Elektroautos ersetzen, könnte man diese Millionen Tonnen vollständig einsparen und damit die deutschen Verkehrsemissionen gegenüber um 60 Prozent senken.

Natürlich nur, wenn der Strom komplett aus Erneuerbaren kommt. Doch allen guten Argumenten zum Trotz: Und die Politik hilft ihr dabei. Werner Reh raucht der Kopf. Nur noch bis zum März können Verbände ihre Stellungnahmen zum neuen Bundesverkehrswegeplan BVWP einreichen — das ist ihre einzige Chance, die nächsten 13 Jahre deutsche Infrastrukturpolitik mitzugestalten.

Für den Umweltverband geht es um viel: Alternativen zum Autobahn-Neubau finden, öffentlichen Verkehr stärken, Ortsumfahrungen prüfen. Erhalt, Engpassbeseitigung und Brückenbau machen Verkehr flüssiger und sicherer. Dadurch weniger Staus und Co2. Werner Reh hingegen hat immer noch keine Post vom Verkehrsminister bekommen.

Der Verband der Autofahrer hatte fast neue Autobahnstrecken und -erweiterungen als vordringlich empfohlen. So gut wie alle stehen nun im Bundesverkehrswegeplan. Diese Politik hat ihren Preis: Der Bundesverkehrswegeplan verfehlt laut Umweltbundesamt elf der zwölf im eigenen Umweltbericht gesetzten Ziele. Die deutsche Autolobby hat sich wieder einmal durchgesetzt. Herbert Behrens könnte erleichtert sein. Der Abgeordnete von der Linksfraktion hat monatelang den Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Abgasskandal geleitet.

Und diese beiden werden ohnehin nicht mehr produziert. Anders als bei den Angaben zu Stickoxiden haben die Autohersteller bei der Messung der klimaschädlichen Treibhausgase nicht systematisch betrogen. Herbert Behrens ist aber nicht erleichtert, sondern fassungslos. Die Testfahrzeuge wurden schon Stunden vorher auf die perfekte Temperatur gebracht, der Fahrstil der Tester war extra schonend, Klimaanlagen und andere CO2-Quellen abgesehen vom Motor wurden ausgeschaltet.

Alles erlaubt, sagt Dobrindt. Ob das überhaupt stimmt, ist nicht ganz klar. War wieder die Baden-Württemberg-Connection aktiv? So weit hergeholt ist das nicht. Zu diesem Zeitpunkt wissen weder der Verkehrsminister noch sein Kritiker Behrens, dass es zwei Monate später neue Vorwürfe geben wird, schwere Vorwürfe.

Dobrindts Kraftfahrt-Bundesamt soll Untersuchungsberichte geschönt haben — zugunsten von Autokonzernen. Stefan Schulte hat das neue Luftverkehrskonzept aus dem Bundesverkehrsministerium auf den Tisch bekommen.

Das Steuergeschenk für die Luftfahrtunternehmen wäre keine Ausnahme: Darunter sind bereits eine Steuerbefreiung für Kerosin und eine Steuerbegünstigung für Diesel. Dem gegenüber stehen die jungen Förderpflänzchen wie das Ladesäulenprogramm für Elektroautos, das mit Millionen ausgestattet ist — nicht einmal vier Prozent der Summe, die dem Staat pro Jahr durch die Steuervergünstigung beim Diesel in Höhe von acht Milliarden jährlich entgeht.

Dann würde er auch auf dem Papier für die Interessen arbeiten, die er als Politiker schon vertreten hat. Laut Recherchen des Spiegel mit Erfolg: Koschnicke setzte sich dafür ein, dass das neue Modell des Opel Zafira trotz einer fragwürdigen Abschalteinrichtung vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen wurde. Dabei habe er von seinen guten Kontakten in die Union profitiert. Von bis arbeitete er in der Strategieabteilung des Konrad-Adenauer-Hauses.

Zudem war er Mitglied des nichtständigen Ausschusses zum Klimawandel. Darin schrieb er über gescheiterte Klimakonferenz von Kopenhagen: Die Bewerbungsgespräche für seinen neuen Job hat der Jurist Eckart von Klaeden offenbar ganz bequem in den Arbeitsalltag des alten integriert: Zwischen und Mai traf sich der damalige Staatsminister im Kanzleramt nicht weniger als sieben Mal mit der Automobilindustrie, davon dreimal mit Vertretern von Daimler.

Gleich darauf gab er seinen Wechsel zu dem Stuttgarter Autobauer bekannt. Der Fall von Klaeden führte zu einer öffentlichen Debatte über Karenzzeiten beim Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft — und zu einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme, das allerdings mittlerweile eingestellt ist.

Seit zwei Jahren hat der Mann mit dem guten Draht ins Kanzleramt wahrscheinlich ein neues Hauptaufgabenfeld bei Daimler: Die Autorinnen arbeiten für das Umweltmagazin klimaretter. Brackel , Annika Joeres. Ein Wahlversprechen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz sicher gebrochen: Das Aktionsprogramm Klimaschutz für ist nach unseren Recherchen nicht mehr einzuhalten.

Bis heute, nach etwas über der Hälfte der Strecke, sind erst 40 Millionen Tonnen geschafft. Bis müssten also noch Millionen Tonnen eingespart werden. Das ist kaum zu schaffen. Auch international wird Deutschland seiner vermeintlichen Vorreiterrolle im Klimaschutz nicht gerecht. Auch das ist bei dem aktuellen Tempo kaum zu erreichen. Zu erreichen wären die Ziele nur mit neuen Gesetzen. Vielleicht scheiterte der Klimaschutzplan schon in dem Moment, in dem die Bundesregierung das globale Einsparziel nicht in verbindliche Ziele für die wichtigsten Wirtschaftsbranchen aufteilte.

Diese Serie schlüsselt die Lücke daher nach den vier klimaschädlichsten Bereichen auf: Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Gebäude.

Und sie zeigt, wer in diesen Bereichen den Klimaschutz blockiert. Und damit benennt sie gleich das Problem: Wirtschaftsinteressen verhindern, dass Deutschland beim Klimaschutz Ernst macht. Das übergeordnete Ziel ist, die Erderwärmung im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung auf zwei Grad zu begrenzen.

Während Politik und Wirtschaft nicht vorankommen, sind aus Sicht der Wissenschaft die notwendigen Schritte klar. Kaum etwas davon hat die Bundesregierung vorangetrieben. Heute erwärmen in Deutschland nahezu so viele Gase wie Luft und Meere und tragen so zu Stürmen, zu Starkregen und langen Dürren bei. Klimaschutz findet in Deutschland nur dort statt, wo er niemandem weh tut. Gebäude wurden saniert, weil Immobilienbesitzer durch die Dämmung Geld sparen können und die Bauwirtschaft Interesse an den Aufträgen dafür hat.

Dieser Bereich hat daher am meisten schädliche Klimaemissionen eingespart, aber immer noch weniger als geplant. Alle anderen Klimasünder — der Verkehr, die Energie aus Kohle, die Landwirtschaft — haben ihre Emissionen kaum gesenkt oder sie sogar gesteigert wie im Falle von Verkehr und Landwirtschaft. Im Klimaschutzprogramm von bleibt die Regierung bei diesem Ziel. Damit war der Plan schon zum Scheitern verurteilt. Keines der Ministerien fühlte sich verantwortlich. Sie alle zusammen sparten seit nach unser Auswertung von Statistiken des Bundesumweltamtes nur rund 40 Millionen Tonnen ein.

Deutschland wird bei diesem Schneckentempo auch ein wichtiges europäisches Ziel verfehlen: Bis hat die EU das verbindliche Ziel festgelegt, 40 Prozent der klimaschädlichen Emissionen von einzusparen. Die Europäische Kommission will Deutschlands nationalen Klimaplan nicht direkt kommentieren, lässt aber Zweifel erkennen. Autos in Deutschland produzieren heute mehr Emissionen als noch vor wenigen Jahren. Die Meinung der Experten ist einhellig: Klimaschutz findet unter Merkel nicht statt.

Für Latif gibt es nur eine Erklärung: Tatsächlich musste das Umweltministerium immer mit Kollegen anderer Ressorts um klimapolitische Fortschritte kämpfen. Laut Teilnehmern aus dem Umweltministerium fragten Beamte des Wirtschafts- und Verkehrsressorts in gemeinsamen Sitzungen immer mal wieder erstaunt, ob denn der Klimaplan nun für alle bindend sei.

Die wichtigsten wurden entfernt. Ebenfalls gestrichen wurden trotz anderslautender, einhelliger wissenschaftlicher Meinung:. Allerdings läuft die alte Flotte von Kohlekraftwerken zugleich ungerührt für den Export von Strom weiter. Die Kanzlerin selbst und ihr Wirtschaftsminister bliesen im Berliner Kanzleramt am 1.

Juli endgültig den Kohleausstieg ab. Die ältesten Braunkohlekraftwerke gehen in eine Reserve, die den deutschen Steuerzahler eine Milliarde Euro kosten wird. Und die Emissionen bleiben auf Rekord-Niveau. Auch das Verkehrsministerium hat in den vergangenen vier Jahren die Klimaziele scheitern lassen. Die Zahlen sprechen für sich: Eine deutliche Senkung, wie sie für das Erreichen der Klimaziele nötig wäre, ist nicht in Sicht.

Dahinter steht die Lobbymacht der Autoindustrie. Spätestens seit dem Abgasskandal ist klar, dass die Politik sich ihr geradezu unterworfen hat.

Den regen Austausch zwischen Autoindustrie und Bundespolitik haben Verkehrsexperten nach dem Bundesland benannt, aus dem die meisten Auto-Lobbyisten kommen: Die deutsche Autoindustrie beharrt auf dem Verbrennungsmotor. Die Branche ignoriert alle Warnungen, dass die Branche damit auch im globalen Wettbewerb abgehängt werden könnte.

Das passierte schon den Energiekonzernen, die viel zu spät auf Erneuerbare Energien setzten. Doch die Branche stellt sich taub. Die Regierung lässt sie gewähren. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte zog am Ende der Legislaturperiode alle Aufmerksamkeit auf sich. Doch auch die anderen Projekte des Ministers tragen die Handschrift der fossilen Verkehrslobby: Beim Bundesverkehrswegeplan wurde nicht ein einziger Vorschlag von Umweltverbänden für mehr öffentlichen Nahverkehr oder ein dichteres Radwegenetz angenommen.

Eine Düngeverordnung, die den EU-weit überdurchschnittlichen chemischen Dünger auf deutschen Feldern begrenzt hätte, kam erst in diesem Frühjahr.

Und sie legt keine finanziellen Sanktionen für Bauern fest, die Grenzwerte überschreiten. So sind die klimaschädlichen Gase durch chemischen und mineralischen Dünger — beide werden mithilfe von Erdöl hergestellt— seit stetig angestiegen. Bauern haben also in der aktuellen Legislaturperiode mehr schädliche Stoffe auf die Felder gebracht — und nicht weniger, wie es zum Erreichen der Klimaziele nötig wäre. Sie lässt beim Klimawandel die Ressorts vor sich hindümpeln und zur Not Gesetze wie die Kohleabgabe platzen.

In ihrer Amtszeit, inzwischen immerhin 12 Jahre, ist sie einem klimafreundlichen Land bisher nicht näher gekommen. Brackel , Jörg Staude , Verena Kern. Juni ist ein bitterer Tag für Sigmar Gabriel. Wochenlang haben die Interessenvertreter der Energiewirtschaft Gabriels Plan attackiert, in dieser Legislaturperiode den ersten Schritt in Richtung Kohleausstieg zu unternehmen.

Nun könnte der Minister die Gelegenheit nutzen, für sein Vorhaben zu kämpfen. Dass es anders nicht geht, weil das Klimaziel für sonst perdu ist. Weil der gute Ruf des Landes als Energiewende-Vorreiter sonst verspielt wird. Weil die Lage ernst ist. Doch dann geschieht etwas völlig anderes. Seit sind Deutschlands Emissionen unter dem Strich nicht mehr gesunken, die der Energiewirtschaft sogar seit nicht mehr.

Sie zeigen, dass die Bundesrepublik ihr Ziel, die Emissionen bis um 40 Prozent zu senken, noch krachender verfehlen wird, als ohnehin schon befürchtet. Auch die Energiewirtschaft soll dazu beitragen, findet Gabriel. Die Einsparmarke für die Branche ist moderat: Um das zu schaffen, tüfteln Gabriels Fachleute monatelang an einem neuen Instrument: Schritt für Schritt sollen damit die besonders alten und ineffizienten Braunkohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt werden.

Also genau die Anlagen, die Deutschlands Klimabilanz bislang so dramatisch verhageln. Gabriel ist damals ein mächtiger Mann. Mit Merkel hat er die Klimaabgabe abgesprochen und sich vorab Rückendeckung geholt. Er tut etwas anderes. Er hebt zu einer erstaunlichen philosophischen Reflexion über das Wesen der Politik an. Man zieht an der einen Stelle und an der anderen bewegt es sich. Es ist inzwischen aber längst ein Netz. Und wenn man an einer Stelle zieht, bewegt es sich vermutlich an vielen Stellen.

Und insbesondere da, wo man gar nicht will, dass es sich bewegt. Es lohnt sich, die kurze Geschichte der Klimaabgabe noch einmal im Schnelldurchlauf zu betrachten. Energieexperten und Umweltverbände loben den Vorschlag als klugen ersten Schritt zum Ausstieg aus der Kohle. So könnte es gehen, meinen sie. Die Energiekonzerne schalten sofort auf Gegenangriff. Der Konzern hat bislang die Energiewende ignoriert. Die Braunkohle in alten, abgeschriebenen Meilern zu verstromen ist nach wie vor ein Riesengeschäft.

Das soll noch so lange wie möglich Gewinne abwerfen. Das Netz wird aktiv. Vassiliadis ist einer der glühendsten Kohle-Verfechter der Republik. Von den Energiekonzernen spricht er, als sei er selber ihr Besitzer. Länder wie China sollten erst mal liefern. Das Ergebnis hört sich bei Vassiliadis so an: Sie haben für das zwanzigseitige Werk die Zahlen geliefert und geben gerne Rechenhilfe: Nun macht das Netzwerk öffentlich mobil.

Ostdeutschland habe durch den Zusammenbruch seiner Industrie nach der Wende schon überproportional Emission gesenkt. Ende April lässt Vassiliadis Auf Plakaten und Transparenten wird Gabriel persönlich hart angegriffen. Die Bilder sind Topthema in den Nachrichten. Gabriel ist die Kontrolle entglitten. Gegen die Behauptungen seiner Gegner kommt er nicht an. Dass massenhaft Arbeitsplätze vernichtet würden. Bis heute rätseln Insider, wie einem Polit-Profi wie Gabriel das passieren konnte.

Nun zeigt sich auch, dass die Rückendeckung der Kanzlerin keineswegs so klar und sicher war, wie es zunächst scheinen mochte. Bei Gabriels Klimaabgabe aber laviert sie herum. Damit ist der Plan de facto tot. Jetzt kann es nur noch darum gehen, einen Alternativvorschlag zu entwickeln, der niemandem weh tut.

Sie ist quasi das Gegenteil der ursprünglichen Idee. Dort stehen viele der betroffenen Meiler. Kraft erlebt bei der Landtagswahl am Mai ein Debakel. Experten warnen indes, dass die Kohle-Reserve nicht die erhofften Einsparungen bringen wird. Viele Anlagen, die nun zur Reserve veredelt werden, wären ohnehin in den nächsten Jahren aus Altersgründen abgeschaltet worden.

Zudem kostet das Vorhalten die Steuerzahler eine Milliarde Euro. Zu viel für zu wenig. Dass es ursprünglich um den Einstieg in den Kohleausstieg ging, ist nun auch sprachlich eliminiert. Insider fürchten ein ähnliches Schauspiel auch bei der sogenannten Strukturwandel-Kommission. Das Gremium soll, so steht es im Klimaschutzplan der Bundesregierung, Ende Vorschläge präsentieren, wie für die Kohleregionen eine Zukunft ohne Kohle gestaltet werden kann. Wie man also irgendwann das hinbekommt, was man mit Gabriels Klimaabgabe sofort hätte haben können.

Die Befürchtung ist nicht aus der Luft gegriffen. Schon jetzt schiebt die geplante Kommission eine Bugwelle an Verzögerungen vor sich her. Eigentlich sollte sie schon in dieser Legislaturperiode ihre Arbeit aufnehmen. Dafür hätte der Klimaschutzplan allerdings pünktlich im Frühjahr fertig sein müssen.

Doch der Entwurf hing monatelang in der Ressortabstimmung fest. Vor allem aus dem Verkehrs- und dem Landwirtschaftsministerium kamen immer wieder Änderungswünsche — eine Verspätung um mehr als ein halbes Jahr war die Folge. Beschlossen wurde der Plan in stark verwässerter Form erst im November Damit war die Strukturwandel-Kommission auf die nächste Wahlperiode verschoben.

Bei Joachim Pfeiffer läuft alles parallel, Hand in Hand. Inzwischen hat der Jährige eine Menge Ämter und Posten angesammelt. Im Bundestag ist er wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion und im Energieausschuss des Parlamentes. Die Arbeitsgruppe Emissionshandel wirkt weitgehend im Verborgenen. Die Arbeit der Gruppe kostet jährlich rund Offiziell ist die Arbeitsgruppe ein Forum für einen breiten fachlichen Austausch zum Emissionshandel.

Tatsächlich aber testen die Unternehmen und Branchen in dem Gremium, wie ihre Forderungen bei der Politik ankommen. Wer hinter der Kampagne steckt, ist zunächst unklar. Recherchen von Journalisten ergeben: Es ist die deutsche Gaswirtschaft. Dabei ist in der Wissenschaft inzwischen klar, dass Gas nur bei der Verbrennung klimaschonender ist als Kohle. Die Autoren arbeiten für das Umweltmagazin klimaretter.

Frank Junker ist ein guter Rechner. Das Unternehmen der Stadt Frankfurt am Main verwaltet rund Zwei der drei Millionen Quadratmeter Fassaden, die das Wohnungsunternehmen betreut, sind gedämmt. Klimaverträgliches Wohnen ist schon heute möglich und rentabel. Und zwar trotz der Regierungspolitik der vergangenen vier Jahre. Die Serie schlüsselt daher auf, was in den vier klimaschädlichsten Bereichen Verkehr, Energie, Landwirtschaft und Gebäude hätte passieren müssen.

Für die Energiewende im Gebäudesektor braucht es zweierlei: Bis will die Regierung den Wärmeenergiebedarf der Gebäude um 20 Prozent gegenüber dem Basisjahr senken. Geschafft sind erst 9,9 Prozent. Wenige Wochen vor der historischen Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens stellt die Bundesregierung im November fest: Damit der Gebäudebestand im Jahr klimaneutral ist, dürfen die Gebäude im Durchschnitt nicht mehr als 40 Kilowattstunden Wärmeenergie verbrauchen.

Das entspricht dem so genannten KfWStandard. Wirklich klimafreundlich wäre eigentlich erst der KfWStandard, bei dem das Limit bei 15 Kilowattstunden liegt, sagen Umweltschützer und Energieexperten. Der Staat hat das Problem erkannt und will einen ehrgeizigen Start für die bisher vernachlässigte Wärmewende hinlegen.

Bis zum Frühjahr Und es gibt starke Einschränkungen: Erstens betrifft die Regelung nur Neubauten — die Anforderungen für den bereits bestehende Gebäude wurden nicht erhöht. Zweitens gilt KfW 55 nur für öffentliche Gebäude. Private Bauherren dürfen noch bis nach dem noch viel weicheren KfWStandard bauen.

Doch es kommt noch dicker: Nicht einmal KfW 55 kommt in dieser Legislaturperiode. Geplatzt ist das GEG aufgrund von Lobbyinteressen. Neben der Dämmung kommt der Klimaschutz auch beim Einsatz von erneuerbaren Energien zum Heizen nicht voran. Die Oppositionspartei will nach baden-württembergischen Vorbild erreichen, dass nicht nur Neubauten einen Teil ihrer Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen beziehen müssen, sondern auch private Bestandsbauten.

Eine solche Pflicht ist seit Jahren im Gespräch. Und das, obwohl die Zahlen aus Baden-Württemberg überhaupt noch keine Schlüsse zulassen. Eine intensive Öko-Förderung im Wärmebereich sei gar nicht nötig, findet sie und verweist auf das so gut wie erreichte Ziel von 14 Prozent erneuerbarer Wärme für Im März bilanziert der Bundesverband Erneuerbare Energie: Der Anteil verkaufter Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen, ist im Gebäudebestand seit von 37 Prozent auf unter 23 Prozent gesunken siehe Grafik.

Bei jedem zweiten neuen Wohngebäude entscheiden sich die Bauherren für eine Gasheizung. Die kostet am wenigsten, und der Brennstoff Gas ist aufgrund der aktuell niedrigen Energiepreise günstig. Eine Besteuerung etwa durch eine CO2-Abgabe könnte daran etwas ändern. Und zwar immer häufiger: Jede fossile Heizung aber führt dazu, dass die Abhängigkeit von den Fossilen auf Jahrzehnte zementiert wird — auch wenn sie als moderne Gasheizung effizienter ist als ihre Vorgängerin.

Ein Ausstiegsdatum für fossile Heizsysteme ist nicht in Sicht: Immerhin hat das Wirtschaftsministerium im Mai angekündigt, ab nur noch Hybridheizungen zu fördern, etwa die Kombination von Gasheizung und Solarwärme. Die Regierung setzt damit auch in Zukunft weiter auf fossile Energien. Axel Gedaschko — Wortgewandter Strippenzieher. Von politischen Energieeffizienz-Zielen hält Gedaschko nichts.

Dafür lässt er seine Beziehungen zur Politik spielen. Beide gehen später nach Berlin — er als Lobbyist, sie wird Mitglied des Bundestags. Die Unternehmerin ist in die CDU eingetreten. Mehr Markt, weniger Staat — das ist Dötts Credo, für das sie vehement auch als umwelt- und baupolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag eintritt. Der Wohnungswirtschaft geht das Gesetz zu weit.

Nach dem Brief landet der Entwurf im Papierkorb. Dött sagt, was sie denkt — mit klimaskeptischen Aussagen sorgte sie in der Vergangenheit für Entrüstung bei der Opposition. Erdgas als klimafreundlichster fossiler Primärenergieträger dürfe nicht stigmatisiert werden.

Seine Energiewende-skeptische Position hindert den Politiker von der Schwäbischen Alb allerdings nicht, als Beirat des Dämmstoffherstellers Deutsche Rockwool einen jährlichen Nebenverdienst zwischen Neben Macron haben in den letzten Wochen und Monaten eine Vielzahl an Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft ihre Unterstützung für das Abkommen immer und immer wieder bekräftigt — zuletzt auf dem GGipfel.

Wird das Pariser Abkommen Bestand haben? Vieles deutet darauf hin. Das Pariser Abkommen ist mehr als nur ein internationaler Vertrag. Es wurde als Katalysator für die Weltwirtschaft konzipiert. Es soll Investoren und Unternehmen ein klares Signal geben, in welche Richtung sich die Wirtschaft in Zukunft entwickeln wird.

Weniger als zwei Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens liefert es bereits beeindruckende Ergebnisse. Es sind auch Städte, Regionen und die Wirtschaft, die hier die Richtung vorgeben. In Australien hat der Energiekonzern Engie beschlossen, das Kohlekraftwerk mit den weltweit höchsten Emissionswerten stillzulegen. Deutschland plant, in den kommenden Jahrzehnten Kohlekraftwerke abzuschalten.

China hat seinen Kohleverbrauch stark reduziert, und in Indien wurden zahlreiche Kohleprojekte gestoppt. Weltweit ist der Zubau neuer Kohlekapazitäten in den vergangenen zwei Jahren um 62 Prozent zurückgegangen , was die Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius in greifbare Nähe rückt.

Insgesamt sind die globalen Treibhausgasemissionen des Energiesektors das dritte Jahr in Folge nicht mehr gestiegen. Erneuerbaren Energien werden laut Studien bis die billigste Stromquelle in GLändern sein — in einigen Regionen ist dies bereits heute der Fall.

Auch Autohersteller setzen zunehmend auf klimaverträgliche Lösungen wie Elektro- und Hybridfahrzeuge. Indien plant bis vollständig auf Elektroautos umzustellen.

Solche Entwicklungen eröffnen Unternehmen unglaubliche Möglichkeiten — wenn sie bereit sind, sich darauf einzustellen. Doch Bundesstaaten und Städte wollen nicht zulassen, dass Amerikas einst so ambitionierte Klimapläne zurückgefahren werden. Bundesstaaten investieren nach wie vor in erneuerbare Energien oder klimafreundliche Innovationen wie Batteriespeicher. Städte und Regionen haben sich als Schlüsselakteure etabliert: Sie treiben die Umsetzung von nachhaltiger Infrastruktur voran — nicht zuletzt, weil sie die Folgen des Klimawandels mit als erste spüren werden.

US-Bürgermeister haben gemeinsam mit Gouverneuren, Unternehmen, Investoren und einflussreichen Wissenschaftlern in einem offenen Brief deutlich gemacht: Das Pariser Abkommen wurde auf die Probe gestellt — und hat bewiesen, wie widerstandsfähig es ist. Das ist nicht ganz ohne Ironie: Die Entscheidung Trumps gegen das Pariser Abkommen hat Klimapolitik wieder hoch auf die öffentliche und politische Agenda gesetzt.